Schrift als Zivilisationsmerkmal? José de Acosta und die Bewertung indigener Zeichensysteme
David Reuter
Geisteswissenschaften, Kunst, Musik / Allgemeines, Lexika
Beschreibung
Studienarbeit aus dem Jahr 2022 im Fachbereich Geschichte - Sonstiges, Note: 1,0, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Sprache: Deutsch, Abstract: Die vorliegende Arbeit beleuchtet den Gegensatz zwischen antiken Sprach- und Schriftvorstellungen und den empirischen Erkenntnissen des jesuitischen Missionars José de Acosta zu den indigenen Schriftsystemen Südamerikas. Ausgangspunkt ist Acostas Faszination für die Sprache und Schrift, wie sie exemplarisch in seinem Brief an Juan de Tovar zum Ausdruck kommt. In der "Historia Natural y Moral de las Indias" formuliert Acosta eine systematische Auseinandersetzung mit den indigenen Zeichen- und Schriftsystemen – ein Ansatz, der durch den intensiven interkulturellen Austausch und direkte Beobachtungen vor Ort maßgeblich erweitert wird. Dabei rückt die Arbeit insbesondere die Rolle der Schrift als zentralen Parameter zur Bewertung einer Zivilisation in den Fokus. Während Acostas semiotisches Verständnis zunächst auf antiken Grundlagen beruht, führt der direkte Kulturkontakt in der Neuen Welt zu einer differenzierteren Einschätzung kultureller Ausdrucksformen. Gleichzeitig wird die Schrift als wesentlicher Kulturfaktor herausgearbeitet, der nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als entscheidendes Kriterium für die Anerkennung und Legitimation kultureller Identität und zivilisatorischer Leistung gilt. Die Analyse zeigt, wie Acostas Beobachtungen die traditionellen Vorstellungen von Schrift und Zivilisation hinterfragen und somit neue Perspektiven auf die Autorität indigener Geschichtsschreibung eröffnen.
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